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Kirche hören? – Die Beckedorfer Glocken

Unsere Kirche steht mitten im Dorf. Gut sichtbar.

Aber sie ist auch gut zu hören.

Ihre Glocken schlagen zu vielen unterschiedlichen Gelegenheiten und Anlässen. Wann und warum sie läuten, ist manchmal schwer auseinander zu halten. Der Begriff *läuten* leitet sich übrigens aus dem mittelhochdeutschen *liuten* ab, was etwa so viel wie *laut machen* bedeutete.

Darüber, was es mit dem Beckedorfer Geläut auf sich hat, wollen wir hier erzählen:

Nach Fertigstellung des Turmes unserer Kirche etwa 1448 wurde eine Glocke aufgehängt. Dabei handelte es sich um eine kunstvoll verzierte Bronze-Glocke, mit der Mantel-Aufschrift *O rex glorie, venci cum pace* (dt.: König der Ehre, kommt mit Frieden / Anm. d. Verf.). Neben einer aus Münzabdrücken zusammengesetzten Kreuzdarstellung fand sich auf dem Glockenmantel ein Abbild des Heiligen Antonius, der als Schutzpatron vor Seuchen und Krankheiten galt. Es ist zu vermuten, dass sein Abbild an eine Epidemie erinnerte, die 1439 in unserer Gegend ausgebrochen war und die Menschen noch in Furcht vor den Folgen dieser Krankheit lebten.

Eine andere Glocke steht rechts neben dem Turm. Dies ist eine Ersatzglocke, sie ist aus Stahl und ersetzte die Bronzeglocke, die 1917 im Ersten Weltkrieg dem Krieg geopfert werden musste. Sie hat 50 Jahre lang geklungen und trägt die Inschrift: „Der große Krieg verschlang, die vor uns hier erklang (1652-1917, und ließ der Herr mich werden, zu preisen ihn auf Erden“. Diese Stahlglocke hatte 1973 einen Riß und konnte nicht mehr geschlagen werden. Von Spendengeldern wurden dann die neuen (jetzigen) gekauft, die bis heute klingen.


 [leider wissen wir nicht, was mit den Glocken in den Kriegswirren 1914 – 1945 passiert ist:
sollte jemand noch Informationen darüber haben, bitte an andreahuebener@web.de]

Die heutigen Glocken werden durch ein Elektromotorensystem der Fa. *Herforder Elektricitäts-Werke Bokelmann und Kuhlo* (heute: HEW) angetrieben. Das in Herford entwickelte System findet u.a. im Kölner Dom ebenso wie im Petersdom, im "Großen Michel", dem Frankfurter Dom, der Kathedrale in Canterbury und in St. Pauls in London Verwendung. Gesteuert werden die Glocken über ein mechanisches Uhrwerk, das manuell aufgezogen wird und auch die Kirchturmuhr antreibt. Unsere Küsterin Elfriede Rehmert pflegt das Uhrwerk und muss es gelegentlich nachjustieren.


In der Turmstube hängen insgesamt drei Glocken, die nach Klangfarbe und Tonhöhe aufeinander abgestimmt sind.


Hier eine Darstellung des Frequenzverlaufs des Hauptgeläutes:

Zusätzlich hängt außen am Turm unter einem kleinen Wetterschutzdach eine weitere kleine Glocke, die Bet-Glocke. Sie wird über einen Elektromotor mit einem Hämmerchen geschlagen. Die Bet-Glocke lässt sich auch vom Schaltkasten unter dem Turm sowie vom Platz des Kirchenvorstandes aus ansteuern.

Kirchenglocken werden nach einer sogenannten Läut-Ordnung geschlagen. Hierbei wird nach kirchlichem und weltlichem Geläut unterschieden. Die Tradition des kirchlichen Geläuts ist in Deutschland durch die Religionsfreiheit grundgesetzlich geschützt.

Das Kirchliche Geläut dient bei uns hauptsächlich dazu, die Gemeinde am Sonntag in die Kirche zu rufen. Zudem wird an den Wochentagen an Morgenandacht (um 7.00Uhr), Innehalten zum Mittag (um 12.00Uhr) und zur Abendandacht (um 18.00Uhr) erinnert. Hier schlägt nur die dritte Glocke für eine Minute.

Die kirchliche Woche beginnt bereits am Sonntag. Daher wird am Samstag um 18.00 Uhr für etwa 15 Minuten der Sonntag eingeläutet. 

Am Sonntag wird schon erstmals von 9.00Uhr bis 9.05Uhr mit der dritten Glocke zum bevorstehenden Gottesdienst gerufen; unmittelbar vorher um 9.55Uhr noch einmal mit großem Geläut bis zum Beginn des Gottesdienstes.

Die Kirchenglocken werden aber auch zu bestimmten Gelegenheiten im Gottesdienst benutzt, z.B. bei Festgottesdiensten wie Taufen, Hochzeiten oder Konfirmationsjubiläen. Dies kann auch außerhalb des sonntäglichen Gottesdienstes geschehen.

Zu erwähnen ist auch das Sterbegeläut: Wenn jemand aus der Gemeinde gestorben ist, wird am selben Tag oder einen Tag danach um 12.00Uhr zunächst neun Schläge mit der Bet-Glocke und anschließend zehn Minuten lang mit einer Glocke das Sterbegeläut geschlagen.

Zum Neujahrstag schließlich wird an Silvester um 24 Uhr mit allen Glocken in das Neue Jahr geläutet.

 

Das sogenannte weltliche Geläut wird von der Bet-Glocke außen am Turm geschlagen: sie läutet zum Stundenwechsel die jeweilige Stundenzahl und schlägt zur halben Stunde einmal. Sie wird auch für Gebete benutzt – so z.B. während des *Vater unser* im Gottesdienst. Dabei wird sie zu den Worten *Vater unser*, *unser tägliches Brot* und *erlöse uns von dem Bösen* jeweils einmal geschlagen.


 

Vielen Dank an unsere Küsterin Elfriede Rehmert für sachkundige Hilfe bei unseren Recherchen!